Das Casino-Eck ist eine traditionelle und ausgesprochen LGBTQ+-freundliche Veedelskneipe in der Kasinostraße 1a, Ecke Stephanstraße, im Zentrum von Köln. Trotz des Namens gibt es hier weder Roulette noch Spielautomaten und vermutlich auch keinen schwulen James Bond, der seinen Martini an der Theke bestellt. Stattdessen erwartet die Gäste eine gemütliche Kölner Eckkneipe, in der Stammgäste, queere Besucher und Reisende bei einem Kölsch zusammenkommen. Das Casino-Eck ist keine ausschließlich schwule Bar, gehört durch seine Betreiber und sein Programm aber eindeutig zur LGBTQ+-freundlichen Ausgehkultur der Stadt.
Seit 2008 wird die Kneipe von Josef Brüggemann und Wolfgang Faßbender geführt. Das Paar legt großen Wert auf ein tolerantes Miteinander: Schwule, lesbische, bisexuelle, trans und heterosexuelle Menschen sind ebenso willkommen wie jüngere und ältere Gäste. Der gemischte Charakter ist ein wichtiger Teil des Konzepts. Wer einen großen Club mit überwiegend jungen schwulen Männern sucht, findet rund um die Schaafenstraße passendere Möglichkeiten. Im Casino-Eck geht es persönlicher, lokaler und häufig auch generationenübergreifend zu.
Die Einrichtung erinnert an eine klassische deutsche Nachbarschaftskneipe. Hier stehen Gespräche, Geselligkeit und der Kontakt zu den Menschen am Tresen im Vordergrund. Das typische Getränk ist selbstverständlich Kölsch, das in den schmalen 0,2-Liter-Gläsern serviert wird. Nach Kölner Tradition kann das nächste Bier ungefragt auf dem Tisch erscheinen, solange der Bierdeckel nicht auf dem Glas liegt. Das ist ausgesprochen praktisch, bis man feststellt, dass die Striche auf dem Deckel inzwischen ein kleines Kunstwerk ergeben.
An gewöhnlichen Abenden ist die Stimmung meist entspannt und familiär. Deutlich bunter wird es bei den wechselnden Veranstaltungen. Das Casino-Eck organisiert im Laufe des Jahres unter anderem Maifeste, Hollandabende, Oktoberfestfeiern, Silvesterveranstaltungen sowie Programme mit Musik, Gesang und Travestie. Wolfgang ist außerdem als seine Drag-Persönlichkeit Linda Dior bekannt. Bei solchen Terminen zeigt die Kneipe ihre besonders queere und theatralische Seite: mit Kostümen, Humor und einem Gemeinschaftsgefühl, das sich kaum inszenieren lässt.
Das Publikum ist hinsichtlich Alter, Geschlecht und sexueller Orientierung vielfältig. Schwule Männer gehören fest zur Gästeschar, dennoch sollte das Casino-Eck weder als Männerclub noch als Cruising-Bar beschrieben werden. Es eignet sich besonders für Besucher, die traditionelle Kneipenkultur, persönliche Gastgeber und ungewöhnliche Kölner Charaktere mögen. Wer hauptsächlich tanzen, oberkörperfreie Männer sehen oder bis zum Morgen zu elektronischer Musik feiern möchte, sollte später noch in einen anderen Teil der Stadt weiterziehen.
Die Lage südlich der Altstadt macht einen Besuch unkompliziert. Von der Haltestelle Heumarkt ist die Kneipe gut erreichbar und lässt sich mit einem Stadtbummel, einem Abendessen oder einem späteren Besuch weiterer LGBTQ+-Locations verbinden. Laut offizieller Website öffnet das Casino-Eck derzeit von Dienstag bis Samstag jeweils ab 16 Uhr; Sonntag und Montag sind Ruhetage. Sonderveranstaltungen und Öffnungszeiten können sich ändern, weshalb sich ein Blick auf den aktuellen Kalender empfiehlt.
Für schwule Reisende ist das Casino-Eck gerade deshalb interessant, weil es nicht wie ein beliebiger internationaler Nachtclub wirkt. Es steht für eine typisch kölsche Mischung aus Toleranz, Bier, Humor und gelebter Nachbarschaft. Wer an einem normalen Abend vorbeikommt, erlebt eine freundliche Veedelskneipe mit gemischtem Publikum. Wer einen Mottoabend oder eine Travestieshow erwischt, bekommt zusätzlich eine gute Portion queerer Unterhaltung. Das Casino-Eck verspricht vielleicht keinen Geldgewinn, doch ein echtes Stück Köln ist ohnehin der wesentlich bessere Jackpot.
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