In der Helsinginkatu 7 im lebhaften Helsinkier Viertel Kallio versteckt sich mit dem Fairytale eine kleine Gay Bar mit bemerkenswert viel Persönlichkeit. Riesige Tanzflächen, Samtseile und Clubs, in denen man seinem Gegenüber schon bei der Begrüßung ins Ohr schreien muss, sucht man hier vergeblich. Stattdessen erwartet die Gäste eine intime Nachbarschaftskneipe, in der man ein Getränk bestellen, sich entspannt niederlassen und tatsächlich mit anderen Menschen ins Gespräch kommen kann. Die diskrete Fassade und das regenbogenfarbene Fenster verleihen dem Fairytale den geheimnisvollen Charme einer traditionellen Gay Bar. Im Inneren sorgt die herzliche Stimmung dafür, dass sich auch neue Gäste schnell willkommen fühlen.
Das Publikum besteht aus Stammgästen aus Helsinki, Bewohnern des Viertels und LGBTQ+ Reisenden. Besonders beliebt ist das Fairytale bei schwulen Männern und in der Bear-Community, ohne sich auf eine bestimmte Gruppe zu beschränken. Niemand braucht einen beeindruckenden Bart, einen bestimmten Körperbau oder einen finnischen Pass, um hier dazuzugehören. Die entspannte und inklusive Atmosphäre macht die Bar zu einer guten Adresse für Alleinreisende, die ihren Abend lieber an einem geselligen Ort beginnen, anstatt sofort in einen überfüllten Nachtclub einzutauchen. Finninnen und Finnen gelten gelegentlich als zurückhaltend, doch ein gemütliches Lokal, ein Karaoke-Mikrofon und ein paar Biere können selbst das dickste Eis zum Schmelzen bringen.
Auf der Getränkekarte stehen unter anderem Bier, Craft Beer und Cocktails, die ohne unnötiges Zeremoniell serviert werden. Das Fairytale versucht nicht, das Nachtleben von Helsinki mit molekularen Cocktails oder einer Kleiderordnung auf Met-Gala-Niveau neu zu erfinden. Seine Stärke liegt gerade in der Einfachheit: bezahlbare Getränke, bekannte Gesichter und eine Umgebung, in der persönliche Gespräche noch wichtig sind. Je nach Programm finden Karaoke-Abende, kleine Kunstausstellungen oder andere gemeinschaftliche Veranstaltungen statt. Wer wissen möchte, was am jeweiligen Abend geplant ist, sollte vor dem Besuch einen Blick auf die sozialen Netzwerke der Bar werfen.
In den helleren Monaten ist die Terrasse besonders beliebt. Die finnischen Sommerabende bleiben lange hell und bieten die perfekte Gelegenheit, draußen etwas zu trinken, das Viertel zu beobachten und Männer aus Helsinki kennenzulernen. Im Winter verwandelt sich der kleine Innenraum dagegen in einen gemütlichen, farbenfrohen Rückzugsort vor Kälte und Dunkelheit. Am besten erlebt man das Fairytale ohne einen zu strengen Zeitplan: Man kommt auf ein Getränk vorbei, beginnt ein Gespräch und stellt plötzlich fest, dass mehrere Stunden vergangen sind. Einhörner besitzen offenbar ganz besondere Kräfte.
Auch das Viertel Kallio lohnt einen genaueren Blick. Das ehemalige Arbeiterviertel gehört heute zu den charaktervollsten Gegenden Helsinkis und bietet unabhängige Cafés, ungezwungene Restaurants, Vintage-Läden und alternative Bars. Das Fairytale passt perfekt in dieses Umfeld und vermittelt ein lokaleres und persönlicheres Erlebnis als die großen LGBTQ+ Clubs im Stadtzentrum.
Die Bar gibt üblicherweise Öffnungszeiten vom späten Nachmittag bis etwa 2 Uhr nachts an. Zeiten und Veranstaltungen können sich jedoch ändern, weshalb ein kurzer Check der aktuellen Mitteilungen empfehlenswert ist. Kommt wegen der intimen Gay-Pub-Atmosphäre, bleibt wegen der freundlichen Menschen – und wundert euch nicht, wenn aus einem ruhigen Getränk plötzlich ein Karaoke-Abend mit neuen finnischen Freunden wird.
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