An der Ecke West 10th Street und Waverly Place schenkt Julius' seit 1864 aus, und trägt seit über einem halben Jahrhundert den Titel als älteste durchgehend betriebene Schwulenbar New Yorks. Das ist kein Themen-Revival, das versucht, das alte New York nachzubauen, es ist das Original, eine Kneipe, an deren Wänden Vintage-Hollywoodfotos hängen und deren Boden noch immer knarrt wie seit Generationen.
Geschichte ist hier keine Dekoration, sie ist der ganze Punkt. Im April 1966 wurde Julius' zum Schauplatz des "Sip-In", einer Protestaktion gegen die Praxis der State Liquor Authority, Bars die Lizenz zu entziehen, wenn sie offen schwule Gäste bedienten. Dieser einzelne Akt der Auflehnung, hineingehen, einen Drink bestellen, und darauf hoffen, vor Kameras abgewiesen zu werden, half dabei, das gesetzliche Recht schwuler Menschen zu etablieren, in New Yorker Bars bedient zu werden, Jahre bevor Stonewall das Viertel aus anderen Gründen auf die Landkarte brachte. Jeden Donnerstag lebt diese Geschichte bei der Mattachine Night wieder auf, benannt nach der Mattachine Society, die den ursprünglichen Protest organisierte.
Über die Geschichte hinaus funktioniert Julius' auch einfach als richtig gute Bar. Günstige, starke Drinks, ein Burger, der regelmäßig zu den besten der Stadt gezählt wird, trotz eines Preises, der die meisten Manhattan-Lokale in Verlegenheit bringen würde, und ein Publikum, das von Village-Urgesteinen bis zu Erstbesuchern reicht, die gezielt kamen, weil sie wussten, was hier geschah. Die Stimmung bleibt entspannt und unprätentiös, ein Ort, an dem man allein an der Bar sitzen und ein Gespräch beginnen kann, oder sich mit Freunden in eine Ecke setzen und den Abend lang werden lassen.
Was Julius' bei einer New-York-Reise priorisieren lässt, ist nicht Nostalgie um ihrer selbst willen, sondern das seltene Gefühl, an einem Ort zu stehen, der wirklich zählte, während man gleichzeitig einfach einen normalen, guten Abend verbringt. Nur wenige LGBTQ+-Wahrzeichen schaffen es, funktionierende, unprätentiöse Bars zu bleiben statt Museen zu werden, und Julius' gelingt genau das seit Jahrzehnten, ohne auch nur einen Funken seiner Kante zu verlieren.
Praktischer Tipp von eurem misterb&b Team: Bar zahlt man hier immer noch am liebsten mit, ein Detail, das perfekt zur unprätentiösen Old-School-Stimmung passt. An Wochenenden wird es voll, besonders wenn nebenan die Piano-Bar Duplex schließt, wer also ein ruhigeres Gespräch will, sollte lieber einen frühen Wochentagabend wählen.
Wer im Village übernachtet, ist zu Fuß von der ganzen Geschichte entfernt, Julius', Stonewall, und den
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