Das Zeitgeist befindet sich in der 199 Valencia Street, dort, wo das Mission District auf den Rand von SoMa trifft. Es gehört zu den bekanntesten Dive Bars und Biergärten von San Francisco. Das 1977 gegründete und offiziell als Historic Legacy Business anerkannte Lokal hat Erdbeben, Technologiebooms, Veränderungen des Viertels und unzählige Modetrends überstanden. Dabei hat es offenbar gelernt, dass schwarze Jeans und ein leicht genervter Gesichtsausdruck niemals wirklich aus der Mode kommen. Mit seinem riesigen Innenhof, 64 Zapfhähnen und einer bewusst ungeschliffenen Haltung bietet das Zeitgeist eine völlig andere Erfahrung als die eleganten Cocktailbars und bunten Clubs im Castro.
Für LGBTQ+ Reisende ist eine Klarstellung wichtig: Das Zeitgeist ist heute keine Gay Bar. Das Publikum ist breit gemischt, alternativ und im Allgemeinen queerfreundlich. Motorradfans, Künstler, Musiker, Beschäftigte aus der Gastronomie, Mitarbeiter der Tech-Branche, Bewohner des Viertels und Besucher sitzen gemeinsam an den langen Picknicktischen. Schwule Männer können sich hier normalerweise wohlfühlen, sollten jedoch weder ein überwiegend männliches Publikum noch Dragshows oder eine Tanzfläche voller Pop-Hymnen erwarten. Hier geht es um Bier, Gespräche, Menschenbeobachtung und gelegentlichen Sonnenschein, sofern San Francisco gerade großzügig ist.
Der Ort besitzt dennoch eine interessante Verbindung zur LGBTQ+ Geschichte der Stadt. Bevor das Zeitgeist diese Ecke übernahm, befand sich hier die Rainbow Cattle Company, eine schwule Cowboy-Bar mit Verbindungen zur Leather- und Biker-Kultur San Franciscos. Der verstorbene schwule Besitzer Hans Grahlmann war zudem Eigentümer mehrerer schwuler oder gay-friendly Betriebe in der Bay Area. Diese Vergangenheit macht das heutige Lokal nicht automatisch zu einer Gay Bar, verleiht dem Standort aber eine weitere queere historische Ebene.
Die wichtigste Attraktion ist der weitläufige Biergarten, einer der markantesten Außenbereiche der Stadt. Reihen gemeinschaftlich genutzter Tische schaffen eine ungezwungene und gesellige Atmosphäre. An warmen Nachmittagen und gut besuchten Wochenenden füllt sich der Hof mit Gruppen, die Krüge teilen, essen und über lebenswichtige Fragen diskutieren – etwa darüber, ob der Nebel noch vor der nächsten Runde eintrifft. Die Einrichtung ist rau, funktional und stolz darauf, nicht übermäßig verfeinert worden zu sein. Das Zeitgeist sieht nicht so aus, als wäre es von einem Lifestyle-Influencer entworfen worden. Genau darin liegt ein großer Teil seines Charmes.
Bierfans können eine umfangreiche Auswahl an Craft Beer aus 64 Zapfhähnen entdecken. Darüber hinaus gibt es Spirituosen, Cocktails und alkoholfreie Alternativen. Besonders bekannt ist die Bar für Bloody Marys und Margaritas. Die Küche serviert unkomplizierte, sättigende Bar-Gerichte, die einen langen Nachmittag mit Getränken begleiten sollen. Wer bestimmte Ernährungsbedürfnisse hat, sollte vorher die aktuelle Speisekarte prüfen. Die Küche schließt jeweils eine Stunde vor der Bar.
Bei gutem Wetter, am Freitagabend und am Wochenende ist die Stimmung besonders lebhaft. Der Service kann eher direkt und effizient als überschwänglich freundlich wirken, was zum traditionellen Charakter des Lokals passt. Bestelle klar, behandle das Personal respektvoll und suche dir selbst einen Platz an einem Gemeinschaftstisch. Reservierungen werden nicht benötigt; es gilt das Prinzip „Wer zuerst kommt, sitzt zuerst“. Der Zutritt ist ausschließlich ab 21 Jahren gestattet, Haustiere dürfen nicht mitgebracht werden.
Das Zeitgeist eignet sich gut als alternative Station innerhalb eines schwulen San-Francisco-Programms. Es liegt nahe genug am Castro und an SoMa, um den Besuch mit LGBTQ+ Nachtleben zu verbinden, unterscheidet sich aber deutlich von den dortigen Gay Bars. Du kannst den Abend mit Bier im Garten beginnen und später weiterziehen, sobald das Bedürfnis nach Tanz, Flirts oder Beyoncé nicht länger ignoriert werden kann.
Für schwule Reisende, die Dive Bars, Craft Beer und authentische Orte mit lokaler Persönlichkeit mögen, bleibt das Zeitgeist eine interessante Adresse. Es ist rau, historisch, kommunikativ und unverkennbar San Francisco. Erwarte nur keine klassische Gay Bar: Die queere Verbindung zeigt sich in der Geschichte des Standorts, im vielfältigen Publikum und in der besonderen Fähigkeit dieser Stadt, selbst einen rebellischen Biergarten in ihre LGBTQ+ Erzählung einzubinden.
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