Das SilverFuture gehört zu den kompromisslosesten queeren Bars Berlins: bunt, unkonventionell und stark von einem gemeinschaftlichen Geist geprägt. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2007 ist das kleine Lokal in der Weserstraße zu einem Treffpunkt für Berliner*innen, Neuankömmlinge und internationale LGBTQ+ Reisende geworden, die eine persönlichere Alternative zu den großen Clubs der Hauptstadt suchen. Das Motto des Hauses richtet sich an „Kings, Queens and Criminal Queers“. Damit ist die Haltung schnell erklärt: Unterschiedliche Identitäten werden gefeiert, während heteronormative Erwartungen besser vor der Tür bleiben.
Im Inneren erinnert das SilverFuture kaum an eine durchgestylte Cocktailbar. Unterschiedliche Möbel, wechselnde Kunstwerke, politische Botschaften, handgeschriebene Schilder und eine eigenwillige Dekoration verleihen dem Raum den Charme eines queeren Wohnzimmers. Die Bar ist eher klein und kann besonders am Wochenende schnell voll werden. Gerade diese Nähe gehört jedoch zum Erlebnis. Gespräche entstehen spontan, Tische werden geteilt und auch wer allein unterwegs ist, muss nicht lange das Gefühl haben, außen vor zu stehen. Für Solo-Reisende ist das SilverFuture deshalb eine interessante Adresse, um die lokale queere Szene jenseits der touristischeren Lokale in Schöneberg kennenzulernen.
Traditionell ist die Bar besonders bei lesbischen, trans, nichtbinären und alternativen queeren Communities beliebt. Schwule Männer und LGBTQ+ Gäste aller Identitäten sind selbstverständlich willkommen. Dennoch sollte man das SilverFuture nicht mit einer klassischen Männerbar, einem Cruising-Lokal oder einem Club mit oberkörperfreien Tänzern verwechseln. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Inklusion, kultureller Austausch und die Möglichkeit, Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen zu treffen. Das Publikum ist häufig international, politisch interessiert, kreativ und angenehm entspannt – ganz im Sinne des unabhängigen Neuköllner Lebensgefühls.
Das Veranstaltungsprogramm kann Drag-Performances, queere offene Bühnen, Lesungen, Live-Musik, Community-Abende und weitere kulturelle Formate umfassen. An ruhigeren Tagen eignet sich die Bar ebenso gut für ein erstes Getränk, ein ungezwungenes Date oder einen langen Abend mit Freund*innen. Musik und Stimmung können sich je nach Veranstaltung deutlich unterscheiden. Wer einen bestimmten Auftritt erleben möchte, sollte deshalb vor dem Besuch einen Blick auf den Instagram-Kanal des SilverFuture werfen. Die Getränkepreise gelten für Berliner Verhältnisse als vergleichsweise fair und tragen zum zugänglichen Charakter der Nachbarschaftsbar bei.
Das SilverFuture befindet sich in der Weserstraße 206, nicht weit vom Hermannplatz und den zahlreichen Bars, Cafés und Restaurants im Norden Neuköllns entfernt. Es lässt sich problemlos in eine queere Kneipentour durch den Kiez einbauen. Allerdings sorgt die familiäre Stimmung nicht selten dafür, dass aus dem geplanten kurzen Zwischenstopp ein ganzer Abend wird. Rauchen kann an manchen Abenden erlaubt sein; zugleich werden auch rauchfreie Termine angeboten. Empfindliche Besucher sollten sich vorab über die aktuelle Regelung informieren.
Für schwule Reisende, die Berlins vielfältige Queerkultur abseits der berühmten Technoclubs erleben möchten, ist das SilverFuture eine empfehlenswerte Station. Der Ort ist intim, politisch, kreativ und herrlich unperfekt. Wer offen und respektvoll mit der Vielfalt des Publikums umgeht, kann hier einen besonders authentischen Berliner Abend verbringen – und vielleicht sogar mit neuen Bekanntschaften nach Hause gehen.
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