Das Switchboard – Bar.Café.Kultur ist weit mehr als nur eine weitere Gay Bar: Es gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Treffpunkten der Frankfurter LGBTQ+-Community. Das Lokal befindet sich in der Alten Gasse 36, mitten im traditionellen queeren Ausgehviertel der Stadt, und bringt seit 1988 Menschen zusammen. Entstanden ist es auf Initiative Frankfurter Schwulengruppen in Zusammenarbeit mit der AIDS-Hilfe Frankfurt. Die frühere Bezeichnung AG36 Switchboard nahm direkt auf die Adresse Bezug und wird von manchen langjährigen Gästen noch immer verwendet.
Im Switchboard zählt das Gespräch mehr als die perfekte Inszenierung. Niemand muss hier aussehen, als würde er gerade über den roten Teppich laufen – auch wenn ein wenig queerer Glamour selbstverständlich willkommen ist. Die Atmosphäre ist entspannt, generationenübergreifend und inklusiv. Schwule Männer treffen hier auf lesbische, transgeschlechtliche und nicht binäre Menschen, Freund*innen der Community, Stammgäste aus Frankfurt und Reisende, die eine authentische Seite der lokalen Szene kennenlernen möchten. Besonders angenehm ist das Switchboard für alle, die neue Leute treffen wollen, ohne sich durch einen überfüllten Dancefloor kämpfen oder gegen sehr laute Musik anschreien zu müssen.
Die Getränke werden zu fairen Preisen angeboten. Neben Bier, Wein und Longdrinks spielen regionale Produkte eine wichtige Rolle. Auch die kleine Speisekarte orientiert sich an Frankfurt und Hessen. Je nach Angebot gibt es beispielsweise hausgemachte Quiche, Suppen, Frankfurter Würstchen, Handkäse oder Apfelwein. Besonders beliebt ist der Sonntagnachmittag, wenn Kaffee und selbst gebackener Kuchen serviert werden. Das ist eine ausgesprochen angenehme Alternative zu einem ganzen Tag im Bett – es sei denn, der Samstagabend war wirklich außergewöhnlich. Das Speisenangebot kann wechseln, weshalb man eher mit kleinen Gerichten und Snacks als mit einem vollständigen Restaurantbetrieb rechnen sollte.
Betrieben wird das Switchboard von der AIDS-Hilfe Frankfurt. Rund sechzig ehrenamtliche Helfer*innen unterstützen den täglichen Thekenbetrieb und verleihen dem Ort seinen besonderen, persönlichen Charakter. Wer hier etwas trinkt oder isst, unterstützt damit zugleich eine Organisation, die wichtige Arbeit für Menschen mit HIV und für die gesamte queere Community leistet. Darüber hinaus dient das Switchboard als Kultur- und Begegnungszentrum. Auf dem Programm stehen Gesprächsgruppen, Stammtische, Ausstellungen, Filmvorführungen, Theater, offene Bühnen, Karaokeabende und verschiedene saisonale Partys. Auch Treffen für jüngere Fetisch-Fans sowie für die Puppy- und Pet-Play-Community finden hier statt. Die Stimmung hängt daher stark vom jeweiligen Abend ab: Mal geht es ruhig und gesellig zu, mal verwandelt sich das Lokal in eine lebhafte queere Bühne.
Bei gutem Wetter lädt der begrünte Hof zum Verweilen ein. Im Innenbereich bietet die Lounge einen entspannten Rahmen für Gespräche. Das Switchboard ist weder ein klassischer Tanzclub noch eine Cruising Bar oder eine Partyadresse für die frühen Morgenstunden. Sein Reiz liegt in seiner Geschichte, seiner Offenheit und seinem echten Gemeinschaftsgefühl. In einer Zeit, in der viele queere Orte verschwinden, bleibt es ein Raum, in dem Begegnung nicht von Alter, Aussehen oder Szenezugehörigkeit abhängt.
Geöffnet ist das Switchboard normalerweise dienstags bis donnerstags von 19 bis 23 Uhr, freitags und samstags von 19 bis 1 Uhr sowie sonntags von 14 bis 18 Uhr. Montags bleibt es geschlossen. Im Sommer und bei besonderen Veranstaltungen können die Zeiten abweichen, daher lohnt sich vor dem Besuch ein Blick auf die offizielle Website. Für schwule Reisende, die Frankfurt jenseits von Clubs und Saunen entdecken möchten, ist das Switchboard eine besonders wertvolle Adresse: herzlich, engagiert und seit Jahrzehnten stolz queer.
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