Das Toom Peerstall ist eine der geschichtsträchtigsten queeren Bars Hamburgs. In dieser gemütlichen Schankwirtschaft treffen LGBTQ+ Kultur, der unverwechselbare Charakter St. Paulis und mehr als ein Jahrhundert voller Geschichten bei frisch gezapftem Bier aufeinander. Die Bar liegt in der Clemens-Schultz-Straße 43, nur wenige Gehminuten von der Reeperbahn entfernt, und bietet eine persönliche Alternative zu den lauten Clubs und schillernden Touristenattraktionen des Viertels. Es ist einer jener Orte, an denen man nur schnell ein ruhiges Getränk nehmen möchte und einige Runden später feststellt, dass aus dem kurzen Zwischenstopp längst der eigentliche Abend geworden ist.
Die Geschichte des Toom Peerstall reicht Berichten zufolge bis ins Jahr 1919 zurück. Der Name stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutet sinngemäß „beim Pferdestall“, eine Erinnerung an die Vergangenheit des Gebäudes. Früher soll der Ort halb Kneipe und halb Tätowierstudio gewesen sein, bevor er sich zu der heute bekannten queeren Bar entwickelte. Nach einer Renovierung und der Wiedereröffnung Ende 2021 bewahrte das Toom Peerstall seinen traditionellen, etwas rustikalen Charakter, erhielt jedoch zugleich ein frischeres Erscheinungsbild. Holzelemente, gemütliche Sitznischen und warmes Licht schaffen die Atmosphäre einer beliebten Nachbarschaftskneipe statt die einer durchgestylten Cocktailbar.
Das Lokal versteht sich als gemütliche Schankwirtschaft von und für die queere Community, die Nachbarschaft und tolerante Menschen. Schwule Männer bilden weiterhin einen wichtigen Teil des Publikums. Besonders viele Stammgäste und etwas reifere Männer schätzen die entspannte Atmosphäre. Dennoch ist die Gästeschar bewusst gemischt und inklusiv. Lesben, trans und nichtbinäre Personen, jüngere Besucher, Menschen aus dem Viertel und aufgeschlossene Freundinnen und Freunde sind ebenfalls willkommen. Dadurch entsteht ein authentisches Gemeinschaftsgefühl: Hier wird queere Identität nicht für Touristen inszeniert, sondern als selbstverständlicher Teil des Hamburger Alltags gelebt.
Die Getränkekarte umfasst deutsches Fassbier, Wein, Longdrinks, Cocktails und alkoholfreie Alternativen sowie eine bemerkenswerte Auswahl an Whiskys. Unter der Woche geht es meist entspannt zu, sodass man gut sitzen, miteinander sprechen und das lokale queere Leben kennenlernen kann. Freitags und samstags wird es voller und lebhafter. Musikalisch reicht das Spektrum von Pop und deutschem Schlager bis zu bekannten Liedern zum Mitsingen. Ob dabei immer jeder Ton getroffen wird, ist in St. Pauli erfreulicherweise Nebensache. Je nach Programm finden außerdem Dragshows, Lip-Sync-Auftritte, Comedy, Quizabende, Community-Treffen und weitere queere Veranstaltungen statt.
Das Toom Peerstall ist eine raucherfreundliche Bar. Wer empfindlich auf Zigarettenrauch reagiert, sollte dies bei der Planung berücksichtigen. Wegen der überschaubaren Größe einer traditionellen Kneipe kann es an beliebten Abenden schnell eng werden. Wer früh kommt, findet leichter einen Sitzplatz und erlebt zunächst eine ruhigere Stimmung. Auch allein reisende Gäste müssen keine Scheu haben: Die intime Raumaufteilung und das Stammpublikum machen Gespräche oft einfacher als in einem großen Tanzclub. Ein freundliches Hallo und ein geschickt bestelltes Bier können den Rest erledigen.
Die Bar öffnet normalerweise von Mittwoch bis Montag jeweils ab 18 Uhr und bleibt dienstags geschlossen. Als reguläre Schlusszeiten werden sonntags bis donnerstags Mitternacht sowie freitags und samstags 2 Uhr angegeben. Bei Veranstaltungen und an Feiertagen können sich die Zeiten ändern. Gut erreichbar ist das Toom Peerstall über die U-Bahn-Station St. Pauli oder die S-Bahn-Station Reeperbahn.
Für schwule Hamburg-Besucher bietet diese Bar etwas zunehmend Seltenes: einen queeren Ort mit Erinnerung, Persönlichkeit und echter Nachbarschaftsseele. Komm wegen der Geschichte, bleib wegen der freundlichen Menschen und stoße auf all jene an, die queeres Leben in Hamburg schon sichtbar machten, lange bevor Regenbogenfarben zum Marketinginstrument wurden.
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