Cabaret Mado: legendäre Dragshows im Gay Village von Montreal
Das Cabaret Mado befindet sich in der 1115 Rue Sainte-Catherine Est im Herzen des Gay Village und gehört zu den bekanntesten LGBTQ+-Institutionen im Nachtleben von Montreal. Es wurde 2002 von der legendären quebecischen Dragqueen Mado Lamotte eröffnet. Seitdem hat das farbenfrohe Lokal mehrere Generationen mit einer unverkennbar Montrealer Dragkultur vertraut gemacht: extravagant, respektlos, herzlich und mit einem schnellen Humor, der einen Platz in der ersten Reihe gleichzeitig begehrenswert und ein wenig riskant macht.
Das Cabaret Mado ist in erster Linie ein Veranstaltungsort und keine gewöhnliche Diskothek. An den meisten Abenden steht eine geplante Dragshow mit lokalen Künstlerinnen und Künstlern, bekannten Namen aus Quebec und gelegentlichen Gästen aus anderen Regionen auf dem Programm. Wiederkehrende Formate wie Mado Reçoit, Full Gisèle oder die Tracy Trash Show werden durch Themenabende, Tribute-Shows und Late-Night-Veranstaltungen ergänzt. Große Popdiven spielen dabei selbstverständlich eine wichtige Rolle. Madonna, Lady Gaga, Céline Dion oder Britney Spears stehen vielleicht nicht persönlich auf der Bühne, ihre musikalischen und modischen Geister sind jedoch selten weit entfernt.
Der Raum besitzt die intime Atmosphäre eines klassischen Cabarets. Je nach Veranstaltung sitzt oder steht das Publikum rund um kleine Tische, während auf der Bühne Lip-Sync, Tanz, Comedy, Improvisation und aufwendige Kostümwechsel geboten werden. Die Vorstellungen finden überwiegend auf Französisch statt. Viele Montrealer Queens sind allerdings an englischsprachige Gäste gewöhnt und wechseln problemlos zwischen beiden Sprachen. Außerdem muss man nicht jedes Wort verstehen, um eine perfekt getimte Pointe, einen dramatischen Haarwurf oder den international verständlichen Blick einer empörten Dragqueen zu genießen.
Mado Lamotte zählt zu den prägendsten Persönlichkeiten der Dragkultur Quebecs. Mit riesigen Perücken, auffälligen Kleidern und spontanen Bemerkungen hat sie dazu beigetragen, Drag aus einer subkulturellen Nische in die breitere Kulturlandschaft Montreals zu führen. Sie moderiert ausgewählte Vorstellungen, tritt jedoch nicht zwangsläufig jeden Abend auf. Wer speziell Mado erleben möchte, sollte deshalb vor dem Ticketkauf die angekündigte Besetzung kontrollieren.
Das Cabaret bietet zugleich unterschiedlichen Generationen queerer Kunstschaffender eine wichtige Bühne. Dadurch ist es weit mehr als eine Touristenattraktion. Es bleibt ein lebendiger Bestandteil des Village, in dem die Community zusammenkommt, über sich selbst lachen und kreative Freiheit feiern kann. Tradition und neue Talente teilen sich hier das Rampenlicht – und gelegentlich vermutlich auch den letzten verfügbaren Behälter mit Glitzer.
Das Publikum ist vielfältig und grundsätzlich offen. Schwule Männer bilden einen wichtigen Teil der Gäste, doch auch lesbische, trans und nichtbinäre Personen, heterosexuelle Freundesgruppen, Paare, Geburtstagsgesellschaften und neugierige Reisende besuchen die Shows. Diese Mischung trägt zur freundlichen Stimmung bei. Trotzdem sollte Drag nicht als bloße Hintergrundunterhaltung behandelt werden. Respektiert die Künstler, unterbrecht die Darbietungen nicht und bringt Bargeld mit, falls Trinkgeld üblich ist. Wer Glamour, Humor und Akrobatik liefert, verdient mehr Aufmerksamkeit als ein Handybildschirm.
Die meisten Vorstellungen beginnen am Abend, wobei der Einlass entsprechend früher erfolgt. An manchen Tagen gibt es außerdem Shows am Nachmittag oder zusätzliche Veranstaltungen spät in der Nacht. Tickets werden online verkauft und beliebte Termine am Freitag oder Samstag können ausgebucht sein. Die Preise unterscheiden sich je nach Produktion; außerdem können Kosten für die Garderobe oder andere Leistungen vor Ort anfallen. Während Montréal Pride, an Feiertagen und großen Festivalwochenenden ist eine frühzeitige Buchung besonders sinnvoll.
Das Cabaret Mado liegt nahe der Metrostation Beaudry und nur wenige Schritte von zahlreichen schwulen Bars, Restaurants und Clubs entfernt. In den wärmeren Monaten ist die Rue Sainte-Catherine Est besonders lebhaft, sodass sich der Besuch problemlos mit einem ganzen Abend im Village verbinden lässt. Wer rechtzeitig kommt, kann in Ruhe einen Drink bestellen und seinen Platz finden.
Für einen ersten Einblick in das queere Montreal ist das Cabaret Mado beinahe unverzichtbar. Lokaler Humor, Communitygeschichte und beeindruckende Performances verbinden sich zu einem wunderbar ungehemmten Abend. Kommt mit guter Laune und applaudiert großzügig. Wer vorne sitzt, sollte allerdings wissen: Dort beobachtet nicht nur das Publikum die Show.
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