The Cinch Saloon ist weit mehr als nur eine weitere Schwulenbar in San Francisco. Das Lokal gehört zu den letzten lebendigen Zeugen der außergewöhnlichen queeren Geschichte der Polk Street. Die traditionsreiche Nachbarschaftsbar befindet sich in der Polk Street 1723 und heißt seit mehr als fünf Jahrzehnten LGBTQ+-Gäste willkommen. Heute gilt sie als letzte noch bestehende Gay Bar einer Straße, die einst ähnlich bedeutend für das queere Nachtleben war wie der Castro. Nachdem die Zukunft des Cinch zeitweise unsicher erschien, übernahm 2025 ein neuer Besitzer das Lokal und versprach, dessen historischen und offenen Charakter zu bewahren.
Der Besuch beginnt bereits an den typischen Schwingtüren eines Saloons. Dahinter wartet eine wunderbar kitschige Westernwelt mit rotem Licht, alten Erinnerungsstücken und einer Dekoration, die Geschichten aus mehreren Jahrzehnten zu erzählen scheint. Historische Fotos erinnern an die früheren Schwulenbars der Polk Street und an die LGBTQ+-Vergangenheit des Viertels. Dazu kommen unerwartete Science-Fiction-Elemente, die ein wenig an die Cantina aus Star Wars erinnern. Diese Kombination klingt zunächst ausgesprochen eigenwillig, ergibt aber eine charmante Atmosphäre, die kein modernes Designstudio glaubwürdig nachbauen könnte.
Das Cinch ist eine echte amerikanische Dive Bar – und zwar im besten Sinne. Die Getränke sind unkompliziert, die Stimmung ist locker und niemand erwartet einen besonders eleganten Auftritt. Am Billardtisch kommt man leicht mit anderen Gästen ins Gespräch. Der Außenbereich eignet sich zum Plaudern, Flirten oder für eine kleine Pause zwischen zwei Drinks. Je nach Termin stehen Dragshows, Karaoke, DJs, Kunstevents oder andere queere Community-Veranstaltungen auf dem Programm. Da sich das Angebot regelmäßig verändert, empfiehlt sich vor dem Besuch ein Blick auf die aktuellen Beiträge des Lokals in den sozialen Medien.
Traditionell war das Cinch eng mit schwulen Männern, der Lederkultur und einem etwas älteren Stammpublikum verbunden. Inzwischen ist die Gästemischung breiter und ausgesprochen inklusiv. Daddies, Dragqueens, langjährige Stammgäste, Menschen aus der Nachbarschaft und jüngere queere Besucher teilen sich den Raum. Je nach Veranstaltung und Tageszeit kann das Publikum unterschiedlich zusammengesetzt sein. Beständig bleibt jedoch die angenehm urteilsfreie Atmosphäre. Hier kann man problemlos allein etwas trinken, mit Fremden ins Gespräch kommen oder einen entspannten Abend mit Freunden verbringen.
Für schwule Reisende eröffnet ein Besuch außerdem eine Perspektive auf San Francisco jenseits des Castro. Polk Gulch spielte eine entscheidende Rolle in der LGBTQ+-Geschichte der Stadt, bevor steigende Mieten, veränderte Ausgehgewohnheiten und die Umgestaltung des Viertels fast alle queeren Lokale verschwinden ließen. Das Cinch fühlt sich deshalb wie ein hartnäckig überlebendes Stück Community-Geschichte an – allerdings wie ein Museum, das Getränke ausschenkt, Dragshows veranstaltet und gelegentlich ein Mikrofon in die Hand drückt.
Einen glänzenden Nachtclub, komplizierte Molekularcocktails oder eine Menge identisch gestylter Partygäste sollte man hier nicht erwarten. Das Cinch ist rauer, herzlicher und wesentlich individueller. Man sieht dem Lokal sein Alter an, doch gerade diese Patina macht seinen Reiz aus. Ein gültiger Ausweis sollte mitgebracht werden. Öffnungszeiten und Veranstaltungskalender prüft man am besten kurz vor dem Besuch. Wer historische Gay Bars mit echtem Lokalcharakter und unkomplizierten Begegnungen schätzt, sollte The Cinch unbedingt in seine San-Francisco-Planung aufnehmen.
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